«Das ist er jetzt! Der Aargauer Pflegetag! Bleibt dran»

Dienstag 19.Oktober 2021

Ist heute Dienstag oder Herbst?
Demenzbetroffene Menschen im Alltag begleiten – eine Reise mit vielen Entwicklungen >>>

 

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Warum Sie und Kinaesthetics Bildung zusammengehören

8 Perspektiven von Erich Weidmann Kinaesthetics Trainer

In Kinaesthetics-Bildungen haben die direkte Wahrnehmung und Erfahrung eine grosse Bedeutung. Mit dem Konzeptsystem kann es gelingen, sich auf neue und interessante Aspekte in der eigenen Bewegung zu fokussieren. Daraus resultiert ein Suchen nach möglichen Unterschieden in der Ausführung von Aktivitäten. Diese Eigenerfahrung verknüpft sich im Spiel der Varianten mit der eigenen Bewegungskompetenz. Mir ermöglichte der logische Aufbau der Konzepte eine immer «buntere» Sicht auf meine eigene Bewegung zu erlangen. Aktivitäten, die ich zuvor mit den Worten «das geht von selbst» vom Tisch gewischt habe, wurden mehr und mehr zur Grundlage meiner pflegerischen Kompetenz. Man könnte beinahe sagen: Kinaesthetics-Konzepte helfen, Selbstverständliches als Wunder zu sehen.

Dank Kinaesthetics habe ich verstanden, dass ich als geschlossenes System keine Möglichkeit habe, im Voraus zu wissen. Paul Watzlawick beschreibt lebendige Systeme als Blackbox, von der niemand wissen kann, wie darin mit Informationen verfahren wird. Heinz von Förster zeigt dies mit dem Bild der nicht trivialen Maschine. Er meint damit, dass Menschen Informationen und Aufforderungen unvorhersehbar verarbeiten. Die Resultate sind selbst innerhalb des Systems nicht im Voraus zu benennen. Ein Systemtheoretiker könnte das folgendermassen formulieren: «Ein Hirn kann kein Hirn beobachten.»

Kinaesthetics hat mir geholfen, meine Sichtweisen zu verändern. Bis heute ist für mich das Verständnis der Geschlossenheit lebendiger Systeme aber eine Herausforderung. Manchmal wünsche ich mir einfache Rezepte für die Arbeit mit pflegebedürftigen Menschen. Ich bin mir jedoch sicher, dass passende Interaktionen und Angebote in den jeweiligen Situationen entstehen und dass ich diese nur in mir selbst entwickeln und entdecken kann.

Die Bewegungskompetenz eines Menschen zeigt sich der BeobachterIn darin, wie das Gegenüber seine Bewegungsmöglichkeiten an die aktuelle Herausforderung anpasst. Da ist die FussballerIn, die mit dem Ball am Fuss geschmeidig um ihre GegnerInnen herumtänzelt. Oder die Pflegefachkraft, die ihre Bewegung gekonnt den Möglichkeiten der PatientIn anpasst und immer wieder einen neuen Weg im gemeinsamen Tun findet. Was wir sehen, sind die Fähigkeiten anderer Menschen. Was in diesen Personen vorhanden ist, sind individuelle Kompetenzen. Doch wie sie diese entwickelt haben, entzieht sich der BetrachterIn. Bei der Pflegefachkraft können wir vermuten, dass sie höchstwahrscheinlich Kinaesthetics-Bildungen besucht hat.

Mit Kinaesthetics habe ich meine Bewegungskompetenz vielfältig entwickelt. Zum Beispiel die Unterstützung bei Transfers. Heute kann ich diese aufgrund meines Bewegungsspektrums auf verschiedenste Art und Weise gestalten. Die Analyse der eigenen Bewegung mit den Kinaesthetics-Konzepten lässt diese Vielfalt entstehen. Dieser Entwicklung liegt ein differenziertes, verfeinertes Wahrnehmen und die Möglichkeit, bewusst Unterschiede in der eigenen Bewegung zu suchen, zugrunde. Dadurch entstehen viele neue Gestaltungsmöglichkeiten, die ich in Begegnungen anbieten und dem Gegenüber anpassen kann. Kinaesthetics bildet damit eine Grundlage der Entwicklung der eigenen Bewegungskompetenz.

«Helfen Sie Ihrem Kollegen vom Stuhl aufzustehen», forderte uns die Kinaesthetics-Trainerin in einer Ausbildungsstunde damals auf, «er hat eine Einschränkung im rechten Bein, nicht schlimm, doch er bittet Sie um Hilfe.» Wir taten wie geheissen und schafften es alle, die Herausforderung war ja nicht schwierig. Dann sagte sie zu uns: «Jetzt stehen Sie bitte selbst auf, aber benutzen dabei ein Bein nicht. Was machen Sie anders?» Eine Kollegin sagte sofort: «Ich stütze mich mit meinem Arm auf der Stuhlfläche ab.» Also standen wir auf und untersuchten den Einsatz unserer Arme. Sofort war uns klar, dass Helfen offensichtlich nicht immer hilft! So ist es der Trainerin durch ihre Anleitung gelungen, dass wir einen Unterschied in der eigenen Bewegung entdecken und daraus lernen konnten. Die an sich selbst gerichtete Frage «Wie funktioniere ich?» bietet Unmengen an Entdeckungsmöglichkeiten, welche wir für Situationen nutzen können, die wir im Alltag ansonsten nur zu oft mit den Worten «Das geht automatisch!» wegwischen.

Ich staune über Menschen, die in ihrem Beruf die Schwerkraft durch passende, lockere Bewegungen fast auszutricksen scheinen – so wie der Koch beim Zwiebeln schneiden. Jeder von uns entwickelt sich ein Leben lang und dies, krass ausgedrückt, in zwei Richtungen. Die eine führt in die Vielfalt, die andere in die Einfalt. Die Einfalt zeigte sich bei mir darin, dass ich viele PatientInnen vom Bett in den Rollstuhl gehoben, diese dadurch hilflos und mich selber zum Rückenpatienten gemacht habe.

Kinaesthetics ist ein hochentwickelter Lehrplan, der Rahmenbedingungen für eine umfassende Erforschung zur Frage «Wie funktioniere ich (ein Mensch)»der Zugang dazu ist die eigene Bewegung. Der Forschungsprozess zielt darauf ab, dass sich die persönliche Bewegungskompetenz entwickeln kann. Die Beschreibung dieser Kompetenz mit den verschiedenen Konzeptblickwinkeln ermöglicht die Bearbeitung von Herausforderungen mit BerufskollegInnen über die eigene Bewegung. Kinaesthetics ist dementsprechend eine Grundlage zur Kompetenzentwicklung, und die erworbene Kompetenz wird im Berufsalltag in vielfältigen Varianten, Anpassungsmöglichkeiten sowie in Reflexionsbereitschaft sichtbar.