Kinaesthetics auf der großen Bühne – Das Experiment von Hangzhou
Der Erfolg des ersten Grundkurses hatte uns Rückenwind gegeben. Wir hatten gesehen, wie schnell der Funke der Begeisterung überspringt, wenn man Menschen Raum für die eigene Körpererfahrung gibt. Doch nun stand uns der eigentliche Höhepunkt unserer Zeit in Hangzhou bevor: die große Kinaesthetics-Fachtagung. Aus dem geschützten Rahmen einer kleinen Seminargruppe ging es nun direkt auf die große Bühne.
Die größte Herausforderung: Theorie trifft Praxis
Drei Fachreferate vor einem so großen Publikum von über 130 Personen zu halten, ist das eine. Sie aber so zu konzipieren, dass die Teilnehmenden auch im großen Saal direkt von der Eigenerfahrung zur Theorie geleitet werden, war ein echtes Wagnis. Die Übersetzung und Vermittlung dieser tiefgehenden Körperkonzepte vor so einer Kulisse forderte unser gesamtes Team enorm – doch der Mut zahlte sich aus.
Inhaltlich bauten die drei Referate auf den essenziellen Säulen unseres Fachbereichs auf:
• Kommunikation im Fokus: Wie durch Berührung angeleitete Bewegung eine echte Kommunikation und einen tiefen Austausch mit Menschen mit Demenz ermöglichen kann.
• Die Physik des Körpers: Schwerpunkt und Gewicht, zirkuläres versus lineares Denken sowie die faszinierende Kybernetik des menschlichen Körpers.
• Pflegequalität neu gedacht: Ein tiefes Verständnis dafür, welche fundamentale Bedeutung das eigene Erfahrungswissen für die persönliche Gesundheit, die berufliche Entwicklung und die gesamte Pflegequalität hat. Das klare Ziel: eine kraftsparendere und sicherere Pflege für alle Beteiligten.
Das Experiment am Nachmittag
Nach der Theorie folgte der Sprung ins kalte Wasser. Die Entscheidung, die 130 Teilnehmenden am Nachmittag anderthalb Stunden lang selbst ausprobieren zu lassen, wie Interaktion und Bewegungssteuerung funktionieren, war mutig. Das Ergebnis dieses Experiments war zweigeteilt, aber durchwegs positiv:
• Die Praktiker: Über 50 % der Teilnehmenden stürzten sich mit einer riesigen, mitreißenden Begeisterung in die Praxis-Workshops. Sie übten hochkonzentriert konkrete Transfersituationen: die Mobilisation im Bett, das Aufstehen vom Stuhl und sogar das Aufstehen vom Boden.
• Die Beobachter: Die andere Hälfte der Gruppe hielt sich eher im Hintergrund und war mit Zuschauen und Reflektieren beschäftigt. Dies lag vermutlich vor allem daran, dass ein großer Teil dieser Gruppe aus dem Management stammte und nicht aus der direkten, täglichen Pflegepraxis. Aber auch das gehört zum Lernen.
Ein runder Abschluss – aber noch lange kein Abschied!
Am Ende dieses Kongresstages blickten wir erschöpft, aber glücklich auf eine unglaublich intensive und bereichernde Erfahrung zurück. Die Berichte und Rückmeldungen der Teilnehmerinnen beim feierlichen Abschluss zeigten uns, wie tief die Erkenntnisse in der kurzen Zeit gegangen waren.
Die Fachtagung in Hangzhou endete mit einem Gefühl großer Genugtuung, tiefer Dankbarkeit und – wie hätte es im Reich der Mitte auch anders sein können – mit einer wohlverdienten, ausgiebigen Fotosession, bei der wirklich jede und jeder mit aufs Bild musste!
Doch wer glaubt, dass unsere Reise hier zu Ende ist, der irrt sich. Hangzhou war erst der Anfang. Die Koffer sind schon wieder gepackt, denn dieses riesige Land hält noch weitere Stationen, neue Institutionen und spannende Begegnungen für uns bereit.
Ausblick auf den nächsten Beitrag: Wir verlassen Hangzhou und reisen weiter! Wohin uns der nächste Stopp führt und welche logistischen und kulturellen Abenteuer uns auf dem nächsten Abschnitt unserer China-Reise erwarten, erfahrt ihr im nächsten Teil. Die Reise geht weiter – bleibt dran!

















Erichs Artikel über seine China-Reise ist großartig geschrieben und fesselnd zu lesen. Es war ein hochintensiver, gehaltvoller Austausch von Theorie und Praxis: Die Eigenerfahrung zog sich wie ein roter Faden durch die gesamte Fachtagung – ein Erlebnis, das die Teilnehmenden immer wieder reflektieren und künftig in Leben und Beruf anwenden können. Hochachtung vor den aktiven „Praktikern” am Nachmittag: Sie waren lernbereit, probierten mutig Neues aus und teilten ihre Erfahrungen. Und ebenso große Hochachtung vor Erich, der sein Wissen so großzügig und vorbehaltlos weitergab und damit die Verbreitung und Weiterentwicklung von Kinaesthetics voranbringt.