Kinästhetik im Pflegeheim – bewegende Qualität

Vor Jahren besuchte die engagierte Pflegefachfrau Priska einen Kinästhetik-Grundkurs. Was als persönliche Weiterbildung begann, entwickelte sich zu einem leidenschaftlichen dranbleiben mit dem Kinaesthetics Aufbaukurs und der Trainer Ausbildung für sich und die Institution.

„Ich war sofort Feuer und Flamme“, erinnert sich die Priska. Auch wenn die Umsetzung des Gelernten in den Pflegealltag sich als Herausforderung erwies. «Aus dem anfänglichen Probieren, entwickelte sich das Projekt „Warten auf die Reaktion“!

Lernspirale und Kinästhetik Konzepte für Qualität in der Pflege

«Sechs Monate lang arbeiteten wir intensiv mit vier Bewohnern. Dabei nutzten wir die Kinaesthetics Konzepte und die Lernspirale um die alltäglichen Herausforderungen zu analysieren. Das Ziel war zu einer gemeinsamen Idee zu kommen, welche grundlegende Kompetenz für den jeweiligen Bewohner im Vordergrund steht. Weiter arbeiten wir mit einer gemeinsamen Forschungsfrage.» Die individuellen Entwicklungen, die beobachtbar wurden sind beeindruckend. Bewohner, als auch Angehörige, Ärzte und Therapeuten berichteten von deutlichen Verbesserungen in verschiedenen Aktivitäten.

Kinästhetik als Schlüssel zur (Lebens-)qualität

Für Priska hat sich Kinästhetik von einer anfänglichen «Transfermethode» zu einer wichtigen Perspektive für Personenzentrierte und Ganzheitliche Pflege entwickelt. Sie sagt. „Es hat mir geholfen, mein Denken zu strukturieren und mich von den Problemen zu lösen. Heute gelingt es mir die beruflichen Situation als Lernfeld zu nutzen»

Kinästhetik als fester Bestandteil des Pflegealltags

Heute ist die Pflegefachfrau in Ausbildung zur Spezialistin für Kinästhetik und leitet eine Arbeitsgruppe im Pflegeheim. Ihr Ziel ist es, das vorhandene Potenzial im Team zu aktivieren und zu koordinieren. „Ich möchte uns alle in einen Prozess einbinden, der uns Pflegende und Bewohner zu mehr Bewegungs- und Handlungskompetenz und dadurch zu mehr Gesundheit sowie Lebens- und Arbeitsqualität führt.“

Das kompetenzorientierte Qualitätsentwicklungssystem auf Basis der Kinästhetik (koQES-K)

Dieses System zielt darauf ab, die Qualität der Interaktion zwischen Pflegekräften, Betreuern und Therapeuten mit Klienten zu verbessern, insbesondere durch Berührung und Bewegung in alltäglichen Aktivitäten. Es fördert die Bewegungskompetenz beider Seiten, um die Gesundheit aller Beteiligten zu unterstützen.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Qualitätsmanagementsystemen, die oft auf starren Ursache-Wirkungs-Prinzipien basieren und menschliche Interaktionen vernachlässigen, ergänzt koQES-K bestehende Systeme. Es ermöglicht Institutionen, sich auf Qualitätsaspekte zu konzentrieren, die in üblichen Systemen oft nicht berücksichtigt werden. Mehr dazu>>>

Beispiele für Leitende Forschungsfragen

Wie kann  ich die Umgebung und die eingesetzten Mittel bei Bewegungsdrang so gestalten, dass die Gesundheitsentwicklung in Richtung Differenziertheit und  Vielfalt geleitet wird..

Wie passe ich fortlaufend meine Bewegungsgeschwindigkeit an die Möglichkeiten der Patientin/des Patienten an?
Wie wirkt sich meine Anstrengung (Muskelan- und – entspannung) im Verlaufe der Unterstützung auf die Anstrengung der Patientin/des Patienten aus?
Wie wirkt sich meine Anstrengung (Muskelan- und – entspannung) auf die Nutzung der Bewegungsspielräume der Patientin/des Patienten aus?
Wie passe ich fortlaufend meine Bewegungsgeschwindigkeit an die  Möglichkeiten der Patientin/des Patienten an?
Wie wirkt sich meine Anstrengung (Muskelan- und entspannung) im Verlaufe der Unterstützung auf die Anstrengung der Patientin/des Patienten aus?
Wie wirkt sich meine Anstrengung (Muskelan- und entspannung) auf die Nutzung der Bewegungsspielräume der Patientin/des Patienten aus?
Welche interessanten Beobachtungen, Erfahrungen mache ich, wenn ich auf die Veränderungen meiner Körperspannung achte?
Was kann ich in ganz alltäglichen Unterstützungssituationen über mein «Führen-Folgen Verhalten» feststellen?
Wie wirkt sich die Veränderung meiner Körperspannung auf das Führen und Folgen in der Interaktion über Berührung und Bewegung aus?
Wie gelingt es mir, Unterstützungen so zu gestalten, dass die Patientin / der Patient das eigene Gewicht über Knochenstrukturen abgeben/verlagern kann?
Welchen Zusammenhang kann ich zwischen der Art und Weise der Gewichtsorganisation und dem Auftreten von aggressivem Verhalten beobachten?
Wie gelingt es mir, Unterstützungen so zu gestalten, dass die Patientin / der Patient das eigene Gewicht über Knochenstrukturen abgeben/verlagern kann?
Welchen Zusammenhang kann ich zwischen der Art und Weise der Gewichtsorganisation und dem Auftreten von aggressivem Verhalten beobachten?
Welchen Zusammenhang kann ich zwischen der Art und Weise der Gewichtsorganisation und dem Auftreten von Schmerzen beobachten
Wie gelingt es mir, Unterstützungen so zu gestalten, dass die Patientin/der Patient das Gewicht der einzelnen Massen nacheinander verlagern kann?
Wie gelingt es mir, Unterstützungen so zu gestalten, dass die Patientin/der Patient die Bewegungsmöglichkeiten der Zwischenräume differenziert wahrnehmen und nutzen kann?
Wie wirkt sich das Zusammenspiel von Massen und Zwischenräume auf Übelkeit oder andere Symptome aus?

Beispiele für Ziele/Grundlegende Kompetenzen

Herr Kuno kann im angepassten Rollstuhl, sein Gewicht Schritt für Schritt wieder so steuern, dass seine Bewegungen in Zeit, Raum und Anstrengung differenziert und vielfältig zur Aktivität passen.

Spannungs- und Druckveränderungen differenziert wahrnehmen

Das Zusammenspiel von Zeit, Raum und Anstrengung differenziert und vielfältig gestalten  –  –
Das Tempo differenziert erhöhen, verlangsamen
Die inneren Spielräume differenziert und vielfältig nutzen/beteiligen
Das Gewicht differenziert und vielfältig über die Knochen organisieren
mit Hilfe der Arme das Gewicht des Brustkorbes differenziert und vielfältig organisieren
Das Gewicht des Brustkorbes differenziert und vielfältig über die Armknochen organisieren
Das Gewicht des Beckens differenziert und vielfältig über die Beinknochen organisieren
Mit Hilfe der Beine  das Gewicht des Beckens differenziert und vielfältig organisieren
Führen und Folgen zwischen den Massen differenziert und vielfältig gestalten
Den Spielraum der Zwischenräume differenziert und vielfältig nutzen
Die Richtung der Gewichtsverlagerung zwischen den Massen und über die Knochenstruktur differenziert und vielfältig gestalten